Bibelstelle

Auf der Suche nach einem Leitmotiv für unseren Pastoralplan wählten wir die Bibelstelle MK 1,29-30.

„Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas. Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie, und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.“

Die Mitglieder von Pfarreirat und Steuerkreis beschäftigten sich intensiv mit dieser Bibelstelle und waren am Ende sehr überrascht, wie viele Impulse zur Entwicklung des Leitgedankens in den wenigen Sätzen stecken.

Jesus geht vom öffentlichen Raum der Synagoge (Haus Gottes) in den privaten Bereich des Hauses, das hier Ausdruck für einen ganzen Familien- und Sozialverband ist.

Die vier Begleiter Jesu informieren Jesus über den Zustand der Kranken. Sie stehen zwischen Jesus und der Schwiegermutter als Verbindungsglied; das zeigt ihre Sorge um die kranke Frau, aber auch das Vertrauen auf Jesu heilende und Not-wendende Wirkkraft.

Die Schwiegermutter hat Probleme mit dem Ausstieg Petrus aus dem bis dahin normalen Leben. Ihrer Meinung nach folgt Petrus Jesus in ein sorgenloses Leben ohne die Zwänge des Alltags und lässt seine Familie einfach zurück. Sie reagiert mit Ablehnung und Fieber.

In der Antike sind Dämonen die Ursache für Fieber; bei den Juden war jede Krankheit eine Strafe Gottes und führte zu gesellschaftlicher und ökonomischer Isolation. Niederdrückende Schwäche und das Daniederliegen sind Ausdruck der Ohnmacht, Hilflosigkeit und Hilfsbedürftigkeit.

Jesus sieht mit einem Blick das Problem der Schwiegermutter, eine weitere Vermittlung durch andere ist nicht nötig. Er reagiert adäquat auf ihre persönliche Notlage und heilt sie augenblicklich. Diese Heilung vollzieht sich auf den ersten Blick unspektakulär und ist doch gerade deshalb wunderbar:

Jesus tritt an die Kranke heran, ergreift ohne Berührungsängste ihre Hand und richtet sie auf.


Mehr geschieht auf der sichtbaren Ebene nicht. Es gibt keine wunderwirksamen Worte, Gebete oder andere heilende Mittel. Es sind auch keine Vorbedingungen von Seiten der zu heilenden Schwiegermutter nötig, wie zum Beispiel der Glaube.

Das Ergreifen der Hand und die Aufrichtung der Frau zeigen die Kraftübertragung. Das Fieber verlässt die Frau. Als sichtbares Zeichen für die Heilung lässt sich dann der Dienst der Schwiegermutter verstehen: vorher krank und passiv daniederliegend wird sie jetzt aktiv; sie bedient die Anwesenden und ist so wieder in die Hausgemeinschaft integriert.

Dienen bezeichnet über den Tischdienst hinaus die von Jesus favorisierte Form der Nachfolge, der sich Mann und Frau zu stellen haben. Die geheilte Schwiegermutter ist somit ein Vorbild für alle, die Jesus folgen wollen.

Indem Jesus ihr auf die Beine verhilft, verwandelt Jesus das Daniederliegen in ein Aufrichten, das Schlechte ins Gute, die Fiebererkrankung zur Gesundung. In der persönlichen Beziehung und Begegnung mit Jesus erfährt die Schwiegermutter Heil und ihre missliche (soziale) Lebenssituation wandelt sich. Sie wird zurückgeführt aus der Passivität in die Aktivität, vom Bereich des Todes in den des Lebens.

Jesus lässt den Kranken Gottes Heil zukommen und schenkt ihnen so schon zu Lebzeiten neue Chancen und neue berechtigte Hoffnung.

Das bedeutet für uns:

Wir leben und handeln nach dem Vorbild Jesu. Die Grundlagen sind die Bibel und die Feier der Eucharistie.

Wir gehen auf unsere Mitmenschen zu, verleihen ihnen Ansehen, richten sie auf, ohne Vorbedingungen, in ihren Häusern, da, wo sie gerade sind, ohne Berührungsängste, auf Augenhöhe, wir helfen bei ihren persönlichen Problemen.

Wir selbst vertrauen darauf, dass auch wir wiederaufgerichtet werden und neue Chancen erhalten.


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